Exkursion der Technikerklassen nach London

basildonEine gewisse Tradition stellt die alljährliche Exkursion der Technikerklassen nach London dar. Sie gehört inzwischen zur Routine des Schulbetriebs innerhalb der Abteilung Fertigungstechnik – und doch war dieses Jahr auch alles etwas anders. Nach der Entscheidung der Briten die EU zu verlassen, war man gespannt, ob es neben dem Besichtigungsprogramm auch zu Gesprächen kommen würde, die den Heilbronner Schülern einen Einblick in das Innenleben eines Landes geben würde, das politisch tief gespalten sich auf den Weg gemacht hat in eine ungewisse Zukunft.

Unsicherheit gepaart mit gedämpften Optimismus, so lässt sich am besten beschreiben, wie viele Briten der Zukunft entgegen sehen. Vielen glühenden Brexit-Befürwortern allerdings begegnet man in der Metropole London nicht. Schließlich stand aber auch ein Besuch des Traktorenwerks von New Holland in Basildon auf dem Programm. Und wo sonst in Großbritannien dürfte man mehr hoffen etwas über die Beweggründe der Brexit-Befürworter zu erfahren wenn nicht in Basildon, das im ganzen Vereinigten Königreich der Wahlbezirk war, in dem sich prozentual die meisten Menschen für einen Austritt aus der EU ausgesprochen hatten.

New Holland gehört zur italienischen Fiat-Gruppe, hat neben dem Standort in Basildon Niederlassungen weltweit und ist finaler Montagestandort für Komponenten aus mehreren Ländern der EU. Mit berechtigtem Stolz führten Vertreter der Firma New Holland die angehenden Techniker aus Heilbronn durch ihre Werkshallen und erläuterten die auf höchste Qualität ausgerichtete Organisation der Produktion. Spätestens im Showroom der Firma, als man Gelegenheit hatte die Cockpits der gewaltigen Traktoren zu besteigen, wurde einem klar, dass Landmaschinen heutzutage High-Tech-Maschinen sind. Mit Blick auf die modernen Produktionsbedingungen und den vorteilhaften Standort in der Nähe großer Umschlaghäfen wurde immer wieder der Zuversicht Ausdruck verliehen, dass Fiat den Standort erhalten werde und das sich Regelungen finden ließen, die ein Fortleben der Produktion innerhalb des Geflechts der Fiat-Gruppe garantieren würden. Aber einer Einschätzung begegnete man auch immer wieder, dass man eben auch gut ohne diese Entscheidung und ohne die sich anbahnenden Probleme hätte leben können. Der Brexit sei eine emotionale, keine rationale Entscheidung gewesen, nun gelte es das Beste daraus zu machen.

2017 löndon 4Als die Gruppe der Maybach-Schüler durch London zog, konnte man beides spüren. London ist eine kosmopolitische Metropole und gleichzeitig eines der Herzen Europas. Sie ist einem fremd in ihrer Größe und Vielfalt, aber auch vertraut, weil es eine europäische Stadt ist. Das Science Museum ist britische und europäische Industriegeschichte, das Themsesperrwerk im Osten Londons stemmt sich den gleichen Problemen entgegen wie ähnliche Projekte in den Niederlanden, die Architektur Londons verweist auf die Geschichte des alten Europa und greift aus in dessen Zukunft. Es ist eine Erfahrung, die jungen Menschen gut tut – dieses Jahr und vielleicht auch nächstes und auch dann, wenn es zu einer Reise außerhalb der EU aber nicht außerhalb Europas wird.

[Do]